Biokunststoffe als Teil der Kreislaufwirtschaft

Annarita Fiorente hat ihren Masterabschluss in Umweltingenieurwesen am Politecnico di Bari in Italien erworben und absolviert momentan am TUHH-Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft ein Praktikum. Im Interview berichtet Sie von ihrer Mitarbeit an einem Forschungsprojekt zu Biokunststoffen und den Erfahrungen, die sie während ihres Aufenthalts im HAMBURG INNOVATION PORT gewonnen hat.

Annarita, Du arbeitest während Deines Praktikums an einem Forschungsprojekt zum Einfluss biologisch abbaubarer Kunststoffe in Siedlungsabfällen mit. Worum geht es in diesem Projekt genau?

Während meines Praktikums unterstütze ich Giovanni Gadaleta, ebenfalls vom Politecnico di Bari, bei einem Forschungsaufenthalt an der TU Hamburg im Rahmen seiner Promotion. Wir untersuchen den Einfluss von Celluloseacetat auf Prozesse der anaeroben Vergärung und der Kompostierung.

Celluloseacetat ist ein biologisch abbaubarer, bio-basierter Kunststoff, der zum Beispiel zur Herstellung nachhaltiger Verpackungen für Lebensmittel verwendet werden kann. Dementsprechend gelangt er auch in Siedlungsabfälle. Anaerobe Vergärung und Kompostierung sind Prozesse, die bei der Verwertung organischer Abfälle eingesetzt werden, um Biogas und Kompost zu gewinnen.

Durch Tests im Labor wollen wir herausfinden, wie sich Celluloseacetat auf diese Verwertungsprozesse auswirkt, zum Beispiel die Qualität des gewonnenen Komposts beeinflusst. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Nachhaltigkeit von Celluloseacetat in der Abfallwirtschaftskette zu bewerten.

Inwiefern hängt ein Biokunststoff wie Celluloseacetat mit der Nachhaltigkeit der Abfallwirtschaftskette zusammen?

Kunststoffe sind heutzutage in fast allen Wirtschaftszweigen unverzichtbar. Herkömmliche Polymere werden aber meist aus fossilen Brennstoffen gewonnen, ihre Verwendung hat deshalb erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima.

Biokunststoffe wie Celluloseacetat können eine umweltfreundlichere Lösung sein. Dieses Material wird aus Zellulose gewonnen, die in Pflanzen vorkommt – es stammt also aus einer erneuerbaren Rohstoffquelle. Es ist zudem biologisch abbaubar, da es von Mikroorganismen in stabile, nicht umweltschädliche Bestandteile zersetzt werden kann. Insofern könnte solchen Kunststoffen eine wichtige Funktion in einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zukommen.

In der Abfallverwertung könnte Celluloseacetat einen weiteren Vorteil mit sich bringen. Denn hier könnte es zur Bildung von Biogas beitragen, ohne die Qualität des Komposts zu beeinträchtigen, der im nächsten Schritt aus den Zersetzungsprodukten gewonnen wird. Unsere Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, diese Frage zu klären.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft, was wünschst Du Dir für Deine Berufslaufbahn?

Erst einmal absolviere ich noch bis Ende Juli mein Praktikum und möchte in dieser Zeit noch so viel wie möglich über die bei uns im Labor verwendeten Instrumente und analytischen Methoden lernen. Dabei helfen mir neben Giovanni auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Sustainable Resource and Waste Management von der TU Hamburg.

Während meines Studiums des Umweltingenieurwesens habe ich mich immer besonders für das Thema Abfallwirtschaft interessiert und würde gerne weiterhin in diesem Bereich arbeiten – am liebsten in einem Team mit anderen Absolventen unterschiedlicher Fachgebiete. Denn ich glaube, dass man durch Zusammenarbeit echte Innovationen erreichen und einen Beitrag zum Schutz unseres Planeten leisten kann.

Was hast Du während Deines Aufenthaltes in Hamburg für Dich persönlich gelernt?

Ich bin Professor Sabino De Gisi vom Politecnico di Bari und meiner Tutorin Caterina Picuno von der TU Hamburg sehr dankbar, dass sie mir dieses Praktikum ermöglicht haben. Mein Aufenthalt hier hat nicht nur mein Studium, sondern auch mich persönlich bereichert.

Drei Monate in einem anderen Land zu verbringen und dort Forschern und Studenten aus der ganzen Welt zu begegnen – dadurch konnte ich andere Kulturen und Gewohnheiten kennenlernen, meinen Horizont erweitern und sicherlich auch meine Englischkenntnisse verbessern. Außerdem bin ich dabei auch Deutsch zu lernen, um mich noch besser austauschen zu können.

Dank meiner Erfahrungen hier bin ich mir meiner Fähigkeiten bewusster geworden und habe an Selbstvertrauen gewonnen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mein Aufenthalt bisher nur positive Aspekte hatte und ich werde alles daransetzen, ihn bestmöglich abzuschließen.

Was wird Dir von Deinem Aufenthalt im HAMBURG INNOVATION PORT außer der Forschungsarbeit in Erinnerung bleiben?

Ich stelle mir gerne vor, wie außergewöhnlich das Forschungszentrum einmal sein wird, wenn es fertiggestellt ist. Die Verbindung von moderner Architektur, umgeben von viel Grün, mit dem Blick auf die Kanäle im Harburger Binnenhafen machen diesen Ort zu einem sehr angenehmen Arbeitsplatz. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier noch viele innovative Ideen und Produkte entstehen werden und würde gerne noch einmal wiederkommen, wenn alle Gebäude stehen, um das Endergebnis zu bewundern.


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